Bericht GäuboteIm Lichte des Wandels

Oberjesingen: Posaunenchor feiert den 70. Geburtstag mit einem Konzert

Ein Konzert am 1. Advent gibt der Posaunenchor Oberjesingen in jedem Jahr.
Ein Kranz, in dem die 70 steht, leuchtete
auf dem Programm eines solchen Konzertes nur einmal: im Jahr 2015.

Thomas Morawitzky

Jürgen Hauke, der Leiter des Oberjesinger Posaunenchores, hat für die Feier seines bemerkenswert betagten kirchlichen Ensembles ein Programm zusammengestellt, das aus der tiefen, vertrauten Posaunenvergangenheit herausführt zu Stücken, die ganz unvertraut waren - vor Jahren. Ein wenig will dieses Programm also auch den Wandel nachzeichnen, der sich bei den Posaunenchören zugetragen hat, in der langen Zeit, die es die Oberjesinger Gruppe nun schon gibt.


Eleganter Schwung


Im ersten Teil ihres Konzertes bleiben die 14 Bläser also im klassischen Bereich - und spielen mit Stücken von Händel, Albioni, Bruckner und Mendelssohn Bartholdy anspruchsvolle und einnehmend gestaltete Musik für ein Publikum, das die Oberjesinger Bricciuskirche natürlich gänzlich ausfüllt. Sehr schön die Stücke Edvard Griegs, die Hauke ins Jubiläumsprogramm aufgenommen hat: mit elegantem Schwung gleiten die Hörner über die Morgenstimmung dahin, die Trompeten setzen dieser wohlig schwelgenden Dunkelheit die ersten Sonnenstrahlen auf.


Der Auftrag bleibt


Hauke erinnert sich gerne zurück. Er spricht, zur Eröffnung des Konzertes, lange über die Geschichte des Oberjesinger Posaunenchores, erinnert an die Ursprünge dieser Form des Musizierens, an den Auftrag der Posaunenchöre, den Gemeindegesang zu begleiten, an die Emanzipation der Chöre, an bessere Ausbildungsmöglichkeiten, bessere instrumentale Fertigkeiten in ihrer Folge, an die umfangreiche Literatur für Posaunenchöre, die entstand. Die Aufgabe der Chöre, eine Kirchengemeinde mit ihrer Musik zusammenzubringen, zusammenzuschweißen - das allerdings, sagt Jürgen Hauke, sollte bei alledem niemals in Vergessenheit geraten.

Hauke führt eloquent und kenntnisreich durch das Programm seines Posaunenchores, erklärt seinem Publikum Barock und Romantik - und kommt damit, noch vor der Pause, an, beim "großen Ruck", der, schon zu seiner Wirkungszeit, durch die Posaunenchöre ging: "Das Neue Lied hielt verstärkt Einzug in die Kirche", sagt er - und ja: Die Posaunenchöre begannen zu swingen.

Hauke leistete zur Zeit jener Umwälzungen seinen Zivildienst ab beim Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern. Das "Neue Lied erschütterte diesen Verband: "Es wurde anfangs gleichermaßen gehasst wie geliebt, weil es etwas vollkommen Neues war", erzählt er. "Viele Chöre, vor allem mit Bläsern älteren Semesters, sind damals sogar ausgetreten, da sie nicht einsehen wollten, dass der Weg richtig und unvermeidlich war.


Sogar die Beatles


Aber die Vorbehalte schwanden, das Neue kam schließlich an, bei den Posaunen - mit ihm der Gospel, das Spiritual, irgendwann sogar die Beatles. Geistliche Musik im afroamerikanischen Stil gehört längst weithin zum Repertoire derChöre, der "Ohrwurm" aus Großbritannien oder Norwegen ebenso - sie bereichern nun auch das Oberjesinger Jubiläumskonzert sehr. Nach Ausflügen in die Hitparaden und die schottischen Highlands jedoch findet sich die Gemeinde wieder, in der heimischen Kirche, und singt gemeinsam "Bleib bei mir, Herr" und, zum Abschied, ein"Amen".


 

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